Aktuelle Nachrichen

Bericht von Gerlinde Fink, Donau Post - Ausgabe v. 01.07.2021

Frauenzell. (gf) Zur „Lebensraumwanderung“ im Himmeltal lud die Gemeinde Brennberg in Zusammenarbeit mit den Klosterfreunden Frauenzell am vergangenen Sonntagabend ein, wozu sich annähernd 100 Interessierte einfanden. Die Wanderung, die auch im Kulturprogramm des Landkreises unter dem Motto „Kultur schafft Begegnung“ beworben wurde, ist jährlich ein Highlight, wozu es auch immer einen musikalischen Leckerbissen gibt.

In diesem Jahr begleitete das Ensemble Reimars Erben die musikalische Wanderung. Schon zum Auftakt ließ das neue Männergesangsensemble Reimars Erben unter der Leitung von Klaus Wenk „Im Holderstrauch“ erklingen. Die Herren widmen sich nämlich dem romantischen Liedgut – Lieder geprägt von Liebe bis hin zur Todessehnsucht – ganz in der Nachfolge des berühmten Minnesängers Reimar von Brennberg. Bürgermeisterin Irmgard Sauerer begrüßte die Gäste im Klosterinnenhof und bedankte sich schon im Vorfeld bei „Wanderführer“ Franz Löffl und dem neu gegründeten Aushängeschild Brennbergs, Reimars Erben.

Im Mittelpunkt der anschließenden Wanderung stand die Landschaft, für deren Artenvielfalt sich die Gemeinde Brennberg einsetzt. Das Himmeltal liegt zwischen Frauenzell und Altenthann und zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt an Lebensräumen, Arten und Spuren historischer Landnutzung aus.

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Als die Verantwortlichen von Kultur in Wörth 2019 die Reihe „Die Goldenen Zwanziger“ planten, war schnell die Idee geboren, Tanz mit ins Programm zu nehmen. Eine Tanzveranstaltung mit den Modetänzen Charleston oder Shimmy sollte es sein, aber auch eine Tanzperformance. Eva Eger, Leiterin der dANCE wORxxx company, hatte dann die Idee, in einer von ihr choreografierten und inszenierten Produktion den expressionistischen Tanz im Stil von Mary Wigman aufleben zu lassen.

Vergangenen Samstag folgte dann nach pandemiebedingtem zwölfmonatigem Aufschub die Uraufführung im mit 90 Zuschauern ausverkauften Schlosskeller. „Sie müssen nichts verstehen“ sagte Eva Eger bei ihren einleitenden Worten. Diverse Gestalten der griechischen Mythologie wie den Minotaurus, Ariadne, Narziss (Miriam Stoffregen) und natürlich auch Echo ließ sie, die auch die Hauptrolle tanzte, aufleben. Verstehen musste man wirklich nichts. Nur zurücklehnen musste man sich und die Bilder wirken lassen - eine Meeresbrandung am Kellergewölbe, Bilder aus Musi und natürlich auch getanzte Bilder. Perfekt auf den Kellerraum abgestimmt war die Inszenierung. Manch ein Zuschauer wird sogar das Gurren oder vielleicht war es auch ein Murren, der vor einem Kellerfenster nistenden Tauben als Teil der Inszenierung empfunden haben.

Lang anhaltender Applaus, unter den sich auch viele Bravorufe mischten, belohnte die Künstlerinnen am Ende der Multimedia-Show.

[Terxt: Johann Festner; Foto: Kosta Christinakis]

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ein wunderbares Abschlusskonzert zu ihrem workshop boten rund 26 Fagottist:innen des Vereines Fagott e.V. der Region Nürnberg/Regensburg am Sonntagnachmittag den 20. Juni 2021 in Rettenbach/Postfelden.

In vier Gruppen spielten die jungen und junggebliebenen Musiker:innen hochmotiviert, mit viel Freude, speziell für das wunderbar wohlklingende Musikinstrument Fagott bearbeitete Werke mehrerer musikalischer Epochen, begleitet durch die Dozent:innen der Regionalgruppe Nürnberg/Regensburg Amrei Tribula, Maximilian Geier, Katrin Hoischen-Müller, Laurens Zimpel, Sonja Sengpiel und Organisator Ralf Müller.

Wir freuen uns, dass die Fagottist:innen für ihr Abschlusskonzert bei "Kultur am Höllbach" nach einem geeigneten Spielort angefragt  und die Region um den wunderschönen Naturpark "Hölle" gewählt haben. Das stilvolle, natürliche Ambiente im Garten des Hofcafés "Zur Hölle" bot den geeigneten Rahmen für dieses besondere Konzert. Im Anschluss führte der Naturparkranger Franz Seilbeck durch die "Hölle".

Vor inzwischen 21 Jahren wurden "Die Fagotte sind los!" gegründet, ein jährlich stattfindendes Fagott-Treffen der besonderen Art, zu dem mittlerweile stets um die 200 Fagottist:innen jeglichen Alters und Könnens aus ganz Deutschland zusammenkommen und miteinander musizieren.

Letztes Jahr musste das 20jährige Jubiläum dieser einzigartigen und für alle sehr motivierenden Initiative coronabedingt leider ausfallen. Und auch in diesem Jahr konnte es den üblichen großen Workshop nicht geben, stattdessen wurden mehrere "Regional-Workshops“ angeboten, bei denen in kleinen Ensembles Stücke erarbeitet werden.

Die Regional-Workshops fanden an am 19. / 20. Juni 2021 gleichzeitig den Regionen Tübingen/Reutlingen, Freiburg/Offenburg/Karlsruhe, Nürnberg/Regensburg, Berlin, Frankfurt/Hanau/Mainz, Kaiserslautern/Mannheim, Erftstadt/Köln, Hamburg, Viersen, Osnabrück statt. Mehr als 200 Fagottist:innen haben an den workshops teilgenommen. Am Abend nach den jeweiligen Regionalkonzerten trafen sich die Mitglieder des Fagott e.V. bei einer "online" Veranstaltung zum Austausch über ihre workshops. Im Jahr 2022 wird wieder ein großer workshop in Erftstadt/Köln stattfinden.

Foto: Berndt Bönigk, Fagotte e.V.

www.fagotte.eu

 

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Kinder und Eltern waren beim Konzert auf der Brennberger Burg begeistert

Von Gerlinde Fink

Zum Auftakt des diesjährigen Kulturprogramms des Landkreises Regensburg unter dem Titel „Kultur schafft Begegnung“ kamen Kinder und Eltern in den Genuss der ersten Veranstaltung, die die Corona-Pandemie heuer wieder ermöglichte. „Kultur oder Baden?“, die Antwort auf diese Frage sei ihren beiden Jungen leicht gefallen, sagte Landrätin Tanja Schweiger bei der Begrüßung am Sonntag auf Burg Brennberg: Denn wenn schon ein Kühlschrank spazieren geht, die Kuh ins Kino und die Knödel in der Disco tanzen, dann müsse man schließlich dabei sein.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Olga Wanninger begrüßte die vielen Kinder und Erwachsenen, wenn gleich es auch hätten mehr sein können. Diejenigen, die den Sommersonntag auf der Burg Brennberg genossen, hatten jedenfalls ihre helle Freude daran. Es wurde gelacht, mitgesungen und das Kinderkonzert, auf das man schon so lange wartete, genossen.

Die Freude am Spielen und ihrem ersten Auftritt seit 253 Tagen merkte man den beiden Akteuren von „Sternschnuppe“, den beiden bekannten Kinderliedermachern Margit Sarholz und Werner Meier, regelrecht an. Selbst der Wind verwehte die Stimmung nicht. Quirlig und spitzbübisch, frech und vergnügt brachten sie ihre Familienlieder zum Besten, so dass den ganzen Nachmittag keine Langeweile aufkam. Selbst der kleine Zwischenfall, als der Wind Teile der Bühnendekoration um wehte, brachte das Duo nicht aus dem Konzept. Heiter wurde weitergespielt und so konnten nach den langen Monaten der Zwangspause Kinder und Eltern wieder einen vergnüglichen und amüsanten Nachmittag weitab von Corona verbringen.

Für die Verpflegung sorgte der Elternbeirat des Kindergartens und der Schule gemeinsam, so dass endlich auch hier wieder etwas in die Kasse kam. Wie sehr das Jahresthema „Kultur schafft Begegnung“ des Landkreis-Kulturprogramms in diesem Jahr zutreffend sein würde, ahnte vor zwei Jahren noch niemand, so Landrätin Tanja Schweiger, deren beide Söhne Laurenz und Adrian ebenfalls ganz angetan waren.

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Die Veranstaltung ECHO am 26. Juni 2021 mit der TAHK Tanzakademie Helene Krippner im Schlosskeller kann coronabedingt nicht vom Schlosshof her betreten werden:

Unmittelbar vor der Schlossmauer rechts abbiegen (Fußgänger, aber auch Autofahrer), um das halbe Schloss herumgehen bzw. -fahren. Vor dem Eingang zum Schlosszwinger (links Turm, rechts Mauer) sind Parkplätze. Gleich am Anfang des Zwingers ist links eine Eisentreppe. Sie führt hinauf zum Schlosskeller.

Sie kommen also in den sehr seltenen Genuss, einen Keller treppauf zu betreten.

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Nicht nur im Freien, sondern auch im Bürgersaal kann Kultur in Wörth wieder Konzerte anbieten. Den Anfang machte am Samstagabend das Hanika-Trio, das eine Mischung aus Kammermusik und Liedermachertum zum Besten gab. Es erklangen ernste, poetische und zum Teil auch politische Lieder, die Frontfrau Miriam Hanika selbst geschrieben hat.

„Wir sind alle froh, dass es endlich wieder losgeht“, sagte Kultur-in-Wörth-Sprecherin Marion Weickl eingangs. Miriam Hanika konnte das voll unterstreichen. Wie sie im Gespräch mit der Donau-Post erzählte, liegt der letzte Auftritt acht Monate zurück. In der Zwischenzeit habe es zwar das eine oder andere digitale Konzert gegeben, aber das sei einfach nicht dasselbe.

Auf der Bühne ließ Hanika ihrer Freude dann freien Lauf. „Das ist heute ein ganz, ganz besonderer Abend“, sagte sie. „Die letzten acht Monate waren die längste Zeit, in der ich nicht auf der Bühne stand, seit ich Musik mache. Es ist jetzt einfach wichtig, dass es weitergeht.“

Hanika spielt Oboe und Englischhorn. Begleitet wird sie von Katharina Khodos am Klavier und Shoko Matsuyama am Cello. Diese Mischung kam in den Instrumentalstücken sehr gut zur Geltung, zum Beispiel im verträumt und nachdenklich anmutenden Stück „September“. In einigen Stücken sang Hanika, ihre glockenhelle und intensive Stimme fand beim Publikum im wahrsten Wortsinn großen Anklang.

Ein vermeintliches Lied über Corona

Viel Applaus gab es zum Beispiel für das Lied „Gemeinsam Einsam“. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass es ein Corona-Lied ist“, erklärte Hanika, „ist es aber nicht, ich habe es schon vor eineinhalb Jahren geschrieben.“ Das Stück wirft die Frage auf, ob wir unser Leben eher abgeschottet und allein verbringen – oder zusammen. „Eine endgültige Antwort habe ich nicht gefunden, so ist das in vielen meiner Lieder“, sagte Hanika.

Eine politische Botschaft steckt in dem Stück „Der Astronaut“. Es geht um einen Raumfahrer, der vom Weltall aus auf die Erdkugel hinabblickt und dabei erkennt, dass von hier oben alles eins ist und dass keine Grenzen, Zäune oder Mauern sichtbar sind. Hanika hat das Lied unter dem Eindruck der Flüchtlingskrise geschrieben. Sie habe sich damals mit einem eng befreundeten Musiker, den sie sehr geschätzt habe, entzweit, sagte sie – „wir sind danach nie wieder zusammen aufgetreten und haben nie wieder gesprochen“. Die Flüchtlingsfrage habe viele Familien und Freundeskreise gespalten, es sei einfach ein unglaublich emotionales und kontroverses Thema, sagte Hanika. „Wir kommen ja aus München, wir haben die Menschen gesehen, die am Hauptbahnhof angekommen sind – und dazu kann man eigentlich nur eine Meinung haben.“

Eine politische Aussage verbirgt sich auch hinter dem Lied „Der Wahrheitssucher“. Es geht darum, dass im Grunde jeder nach der Wahrheit sucht, dass es aber die alleinige, die absolute und hundertprozentige Wahrheit nicht gibt.

Gefühlvoll ist das Stück „Zwei Boote“. Obwohl sie ungefähr schon 40 Lieder geschrieben und aufgenommen habe, habe sie eigentlich noch nie ein Liebeslied geschrieben, sagte Hanika. „Zwei Boote“ war die erste und einzige Ausnahme. Hanika hat das Stück eigentlich für die Hochzeit eines befreundeten Paares geschrieben, weil ihr politische Lieder für diesen Anlass unpassend erschienen. „Ich habe das Lied aber letztendlich gar nicht für das Paar geschrieben, sondern für mich, für meinen Freund, denn nur das habe ich ja selbst erlebt“, erklärte sie.

Die Zuschauer im Bürgersaal, die auf zugewiesenen Stühlen mit Abstand saßen und die Maske am Platz abnehmen durften, belohnten die Darbietung des Trios mit reichlich Beifall.

[Text und Bild: Simon Stadler, Donau-Post]

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Wirtshausmusi beim Pflam: Kultur in Wörth meldet sich mit Spontanveranstaltung zurück.

Es war ein gemeiner Plan, den sich die Regenwolken da ausgedacht hatten. Heimtückisch schlichen sie sich an und verdunkelten den Himmel über Hofdorf. Erst ließen sie nur ein paar Tröpferl fallen, aber pünktlich um kurz vor sechs legten sie dann richtig los: Sie ließen einen veritablen Schauer auf den Pflamminger-Biergarten niedergehen, gerade mit Fleiß.

Die Gäste ließen sich allerdings nicht sonderlich beeindrucken: Sie suchten Zuflucht unter den Sonnenschirmen, bestellten sich eine Halbe Bier und eine Brotzeit, gerade mit Fleiß. Auch die Musikanten blieben entspannt, sie saßen ja eh im Trockenen unter einem Vordach – und um Punkt 18 Uhr entlockten sie ihren Instrumenten die ersten Töne.

Die dunklen Wolken hätten am Freitag wahrscheinlich gerne noch länger den Spielverderber gegeben, aber dafür fehlte ihnen die Kraft. Um kurz nach sechs stand wieder eine mustergültige Sonne über Hofdorf, die den Biergarten in ein sattes Licht tauchte und den Regen zügig verjagte. Da schmeckte die Halbe dann gleich noch mal so gut.

Die vier Musikanten erhoben sich und spielten ein Prosit der Gemütlichkeit.

Schnagl: „Das war ein Schnellschuss“

Der Auftritt im Pflamminger-Biergarten war eine Spontanaktion, „ein Schnellschuss“, so drückte es Trompeter Markus Schnagl aus. Als Anfang Juni bekannt geworden war, dass Kultur und Z’ammhock’n im Freien wieder gestattet sind, hatten Schnagl und Kultur-in-Wörth-Chefin Marion Weickl sogleich ein- und denselben Gedanken: Da müssen wir etwas machen, unbedingt ! Die kulturlose Durststrecke war ja jetzt wirklich lang genug, das letzte Konzert mit Publikum hatte es in Wörth im Herbst 2020 gegeben (damals mit Steffi Denk).

Einfach irgendwo aufspielen geht aber immer noch nicht: Es braucht Sitzplätze, Ordnung, ein Hygienekonzept. Schnagl und Weickl mussten also noch das passende Drumherum finden – und das fanden sie in Hofdorf, wo es gleich bei der Kirche einen großen und gemütlichen Biergarten gibt. Das Gasthaus Pflamminger war sofort mit im Boot, die Sache war geritzt.

Wer genau spielen würde, haben Schnagl und Weickl anfangs noch nicht gewusst. Aber irgendeine Besetzung werden wir dann schon zusammenbringen, haben sie sich gesagt. Und so ist es dann auch gekommen. Schnagl konnte binnen kürzester Zeit ein Quartett aktivieren, bestehend aus dem Wiesenter Markus Weigert (Basstrompete), dem Wörther Reinhold Koller (Akkordeon), dem Saulburger Reinhold Wolf (Tuba) und aus ihm selbst (Trompete und Flügelhorn). Ein genau geplantes und ausgefeiltes Programm gab es am Freitag nicht. „Wir spielen heute einen bunten Strauß an Melodien, relativ spontan“, verkündete Schnagl vor dem Auftritt. „Wir müssen jetzt erst mal den ganzen Staub hinausblasen, der sich in den Instrumenten gesammelt hat“, flachste er, „und dann schauen wir mal, wie sich das anhört, weil besonders viel geübt haben wir nicht.“

Es hat sich dann wirklich gut angehört, schwungvoll, locker, griabig. Die Musikanten hatten sichtlich ihren Spaß, vor allem Schnagl, der am Freitag zufällig auch noch Geburtstag hatte und ein Standerl entgegennahm.

Auch die Zuhörer kamen auf ihre Kosten. Angemeldet hatten sich für den Abend laut Weickl ungefähr 120 Besucher. Junge. Ältere. Familien. Freundesgruppen. Etwas erleben, ratschen, lachen, trinken, essen – und als i-Tüpferl Blasmusik: Diese Mischung kam an. Es gehe darum, wieder eine gewisse Normalität zu transportieren, sagten Weickl und Schnagl.

Spendengeld für Nachwuchskünstler

Der Eintritt war frei, Spenden waren erbeten. Das Spendengeld haben die Musikanten auch selbst wieder gespendet – an Kultur in Wörth. Weickl und ihr Team werden es an Nachwuchskünstler weitergeben.Hinterher zog Weickl folgendes Fazit: „Es war super. Die Leute waren, ja, einfach gelöst.“

Am Rande des Auftritts ließ Schnagl übrigens einen Satz fallen, der für den einen oder anderen interessant sein könnte. „Ich kann da nichts versprechen,“, sagte er, „aber wenn sich das etabliert, könnten wir so etwas vielleicht auch in anderen Ortsteilen machen.“

[Text und Bild: Simon Stadler, Donau-Post]

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Erstmals seit sechs Monaten fand am Sonntag in Wörth wieder eine Kulturveranstaltung statt. Das Kaleidos-Quintett übertrug den Auftritt ins Internet – sogar bis nach Australien

Wer ein Konzert organisiert hat, zu dem kein Zuhörer gekommen ist, wirklich keiner, der müsste eigentlich zu Tode betrübt sein. Kultur-in-Wörth-Sprecherin Marion Weickl wirkt nach dem Auftritt jedoch keineswegs verzweifelt, ganz im Gegenteil: „Alles hat super geklappt“, sagt sie, „es war ein Erfolg.“

Dass kein Mensch gekommen ist, stimmt ja auch nur vordergründig. Der Bürgersaal ist zwar tatsächlich verwaist, als das Kaleidos-Quintett am Sonntagabend auf der Bühne aufspielt. Trotzdem gibt es Zuhörer, eine ganze Menge sogar, sie sitzen daheim vor ihren Computern, Tablets oder Handys: Ein Techniker überträgt das Konzert der fünf jungen Blasmusiker ins Internet. Ohrenschmaus online, sozusagen.

Wenn das Quintett im Bürgersaal vor Publikum spielen hätte können, wäre das zwar sicher noch mal etwas anderes gewesen, „das kann man nie ganz vergleichen“, sagt Weickl. Sie sagt aber auch Folgendes: „Endlich hat wieder mal Kultur stattfinden können, das war ein Zuckerl.“ Die Resonanz der Zuhörer sei sehr positiv, „viele Leute haben sich gefreut, dass wir das gemacht haben“.

Man muss sich ja eines schon mal vor Augen führen: Die letzte kulturelle Veranstaltung ging am 26. Oktober über die Bühne, damals traten Steffi Denk und Hans „Yankee“ Meier vor abgezählten 50 Zuhörern auf. Seitdem: nichts, nichts und noch mal nichts. Die reine Leere.

Bis Sonntagabend. Da gibt das Kaleidos-Quintett aus dem Großraum Nürnberg eine virtuelle Kostprobe. Das eigentliche Konzert mit Publikum ist zwar verschoben – solange, bis Kultur halt wieder möglich ist. Aber wir könnten ja schon jetzt eine Kurzfassung unseres Programms spielen und die ins Internet übertragen, schlugen die Musiker vor. Machen wir, sagte Weickl sofort.

Gesagt, getan: Am Sonntagnachmittag kommt ein Techniker in den Bürgersaal, ein junger Mann, der mit den fünf Musikern befreundet ist. Dabei hat er Kabel und Apparate, Stecker, Stative, einen Laptop, ein Mikrofon. Er befestigt die Kamera an einem Tisch, sie wird später alles aufzeichnen. Mikrofone auf und vor der Bühne werden später jede Schallwelle einfangen – in durchaus hoher Tonqualität.

Die Übertragung an sich läuft über die soziale Plattform Facebook, es gibt dort die Funktion, einen Livestream auszuspielen: Jeder Interessierte kann diesen in Echtzeit aufrufen und anschauen. Auf der Facebook-Seite von Kultur in Wörth ist der entsprechende Link hinterlegt.Der Online-Auftritt am Sonntag ist ein doppeltes Debüt. Etwas Derartiges hat Kultur in Wörth noch nie angeboten, das ist das eine. Es ist aber auch für die Musiker eine Premiere: „Wir spielen heute zum allerersten Mal in dieser Besetzung“, sagt der 24-jährige Simon Kränkl.

Er hat am Sonntag ein Heimspiel, denn er ist gebürtiger Wörther; seine Mutter ist Hella Kränkl, die Chefin des Musikschulvereins. „In der Heimat zu spielen, ist immer etwas Besonderes, so häufig kommt das nicht vor, nur alle paar Jahre mal“, betont der junge Trompeter.

Und wie kam es zur Gründung des Quintetts ? Kränkl muss ein bisserl ausholen. Dreh- und Angelpunkt sei die Stadt Nürnberg, sagt er, mit der fränkischen Metropole sind alle fünf verbunden. Zum Teil besuchen sie dort die Hochschule, zum Teil haben sie sich auch abseits des universitären Alltags kennengelernt, als Mitbewohner, über Freunde, wie das halt so ist. Die Mitglieder sind alle Mitte zwanzig, sie verstanden sich sofort. „Wir sind fünf Leute, die voneinander wissen, dass wir harmonieren und dass es bei uns passt“, sagt Kränkl.

Passen tut es auch am Sonntagabend um 19 Uhr, als das Quintett im leeren Bürgersaal loslegt. Das Programm setzt sich zusammen aus Originalstücken, aber auch aus Arrangements. Los geht es mit einer bearbeiteten Version der Kleinen Fuge in G-Moll, die Johann Sebastian Bach Anfang des 18. Jahrhunderts komponiert hat. Mit zwei Trompeten, einer Tenorposaune, einer Bassposaune und einem Horn präsentieren die Musiker das Stück energiegeladen, ergänzen sich, verschmelzen. Zum Besten gibt die Gruppe auch Stücke des russischen Komponisten Wiktor Ewald und des amerikanischen Komponisten Michael Kamen (der übrigens schon mal mit Metallica zusammengearbeitet hat). Dabei ist auch der so genannte Killer-Tango, der mit viel Schwung und Elan besticht. „Wir decken eine große Bandbreite ab, von barock bis modern“, sagt Kränkl.

Bei den zugeschalteten Zuhörern kommt diese Mischung an: Insgesamt rufen das 34 Minuten dauernde Video – das übrigens noch immer auf der K.i.W.-Facebook-Seite verfügbar ist – bis Montagmorgen 370 Nutzer auf. 50 bis 60 Nutzer verfolgen das Konzert laut Weickl am Sonntagabend durchgehend. „Nicht schlecht“, findet sie.

Beachtung findet der Auftritt sogar in Down Under: Die Musikerin Alison Marsh ist gebürtige Australierin, und ihre Mutter steht extra auf, um den Auftritt zu sehen. Als das Konzert um 19 Uhr beginnt, ist es in Australien 3 Uhr früh.

[Text und Bild: Simon Stadler, Donau-Post]

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