Spurensuche im großen Feld der Vergangenheit

Spurensuche im großen Feld der Vergangenheit

von Johann Festner (Kommentare: 0)

Ein angemessener Raum für die Referenz an historische Ereignisse und Entwicklungen: Das hochfürstliche Rondellzimmer im Schloss ist der ideale Ort für die Spurensuche im großen Feld der Vergangenheit und für die Suche nach Zeugnissen, die eine Vorstellung von den einstigen sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen ermöglichen. Professor Franz Fuchs, Inhaber des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte und historische Grundwissenschaften an der Universität Würzburg, öffnete am Freitag im Rahmen der „K.i.W.“-Reihe „Reden über Wörth“ die umfangreiche Dokumentation alter Aufzeichnungen.

Die erste Rückblende vor drei Jahren konzentrierte sich auf die kirchlichen Schriften, sein zweiter Streifzug durch die Annalen nahm die Besucher mit auf eine unterhaltsame, spannende und fesselnde Zeitreise in die Epoche des Mittelalters. „Gut und wertvoll“ sind nach der Bewertung von Professor Fuchs diese heimatkundlichen Überlieferungen, die „sehr detailreich“ Aufschluss geben über die Herrschaft Wörth und zum Teil sogar lückenlos vorhanden seien. Nur ausgewertet wären sie noch nicht.

Sorgfältige Buchführung

Verfasser dieser Belege, denen insbesondere die Archivare des Fürstlichen Hauses „den Weg in die Papiermühlen“ erspart hätten, war nach Darstellung des gebürtigen Wörthers der Straubinger Landschreiber Hans Kastenmeier, der Anfang des 15. Jahrhunderts in den Diensten der Wittelsbacher stand und sorgfältig Buch geführt habe über die Einnahmen und Ausgaben seines Arbeitgebers. Ein nicht unwesentlicher Aspekt in diesem Zusammenhang: Der Wert der Währungen, ob Schilling oder Kreuzer, war regional sehr unterschiedlich. Einige Rechnungen, anno 1421 ausgestellt, bezogen sich auf die Kosten für den Unterhalt des Schlosses. Die Löhne für Zimmermänner, Schlosser und Bauhandwerker, die mit der Verbesserung der Bausubstanz beauftragt wurden, befinden sich in diesen Verzeichnissen, ebenso für die Burghüter und Torwärter, die die Anlage bewachen und beschützen mussten; Sorge getragen wurde zudem für die Altersversorgung von frommen Menschen, die sich dem Gebet widmeten und für das Seelenheil verstorbener Menschen zuständig waren. Die Untergebenen wurden nicht nur verpflegt und versorgt, sondern sogar eingekleidet: „Alles, was Ausgaben verursacht, taucht in diesen Rechnungen auf.“

Dazu gehörte unter anderem auch der finanzielle Aufwand für die Verwaltung, für die Medizin, die zur Behandlung kranker Rösser benötigt wurde, und für den Weinanbau. Das veredelte Getränk hätten die Straubinger Herzöge jedenfalls als guten Tropfen sehr geschätzt. Sogar ein fachkundiger Weinmeister befand sich in Lohn und Brot, der für die Kontrolle der Rebstöcke und für die Qualität des gefragten Produkts zuständig war. Das Wirtschaftsjahr, erwähnte er, umfasste die zwölf Monate zwischen dem „St. Michaelstag“ am 29. September. Hinweise finden sich auf die 130 Hausbesitzer in Wörth, die dem Regensburger Bischof gegenüber ihre Steuerpflicht zu erfüllen hatten. „Sie gehörten eindeutig zu den besser verdienenden Einwohnern“, erklärte Professor Franz Fuchs mit der Feststellung, dass die Eintragungen im Salbuch über die Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle auch Rückschlüsse auf die demografische Entwicklung der Bevölkerung ermöglichen.

Strafen für Streithansel

Ein Kapitel beschreibt die Geldstrafen für Streithansel, die wegen der Verstöße gegen Recht und Gesetz zur Rechenschaft gezogen wurden. Der Bereich Kleinkriminalität hat den Landrichter, der in der ganzen Region unterwegs war, offensichtlich ziemlich stark in Anspruch genommen. Die Tabelle der Delikte führten nach den Erkenntnissen von Professor Franz Fuchs die Raufereien in den Wirtshäusern an. Meinungsverschiedenheiten wurden nicht eben selten mit den Fäusten und Maßkrügen ausgetragen. Bedenkliche Umgangsformen gab es - wie etwa im Weiler Waxenberg - öfter auch in der Nachbarschaft. Gerade Frauen wären sich häufig in die Haare geraten, sie seien nach der Anklage „friedbrüchig“ geworden und hätten bei ihren Streitgesprächen ungebührliche Beschimpfungen verwendet. [...]

[Sepp Raith, Donau-Post]

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