Fünf Männer, fünf Stimmen, stehende Ovationen: Sergiuschor überzeugt in Wörth

von Johann Festner

Eigentlich besteht der Regensburger Sergiuschor aus sieben Mitgliedern, doch der Chorleiter musste aus familiären Gründen absagen und ein weiteres Mitglied war dem Sturmtief Elli „zum Opfer gefallen“: Der Sänger wohnt in Berlin, trat von dort eine Zugreise in die Oberpfalz an, strandete jedoch in Ostdeutschland – weiterkommen unmöglich. Und so waren’s dann halt nur noch fünf (Bild). Doch das tat dem Konzert am Sonntagabend in der weihnachtlich geschmückten Stadtpfarrkirche keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Es war beeindruckend zu sehen, oder vielmehr zu hören, wie wenig es doch braucht für einen besinnlichen Hörgenuss: fünf Männer, fünf Stimmen, Sologesänge, die sich mit kollektiv gesungenen Passagen abwechseln, ein- und mehrstimmige Choräle, alle Stücke variationsreich vorgetragen, von kraftvoll bis meditativ. Ansonsten: nichts. Keine Begleitung, keine Instrumente, keine Show. Nur die fünf Sänger und das andächtig lauschende Publikum in der halbdunklen Kirche. Die Zuhörer waren jedenfalls begeistert, spendeten stehend Applaus. Der Konzertabend stand unter dem Motto: „Gott ist mit uns.“ Ludwig Eiglmeier aus Wörth, der beim Sergiuschor mitsingt, ging auf den Ausruf „Gott ist mit uns, versteht es, ihr Völker, unterwerft euch!“ ein. An diesem Satz sei zu erkennen, dass der Religion ein gewisses Gewaltpotenzial innewohne, sagte er zu Beginn. Und in der Tat, religiöse Fanatiker hätten den Glauben immer wieder missbraucht, um damit Krieg, Gewalt, Vertreibung oder Folter zu rechtfertigen, sagte Eiglmeier. Aus seiner Sicht ist die Religion vergleichbar mit einer Medizin, ergänzte er: Sie will heilen, will gut tun, bewirke Positives – doch in zu hohen Dosen eingenommen, richte sie Schaden an. Eiglmeier nahm Bezug auf den Heiligen Johannes Chrysostomos, der in östlich-orthodoxen Kirchen verehrt wird und ein wahrer Friedensfürst sei. Der Chor wolle verdeutlichen, so Eiglmeier, „wie authentischer Glaube zu verstehen ist“. Der Sergiuschor begreift sich als Vermittler zwischen ost- und westeuropäischen Konfessionen des Christentums; in einem Lied zeigte sich der westliche Einfluss auf russisch-orthodoxe Kirchenmusik. Zu hören war zum Beispiel auch ein einstimmiger byzantinischer Choral, wie er in Bulgarien gepflegt wird. Dazu gesellten sich Kirchenlieder wie „O selige Nacht“, „Zu Betlehem geboren“ – oder „Still o Himmel“, ein Stück, das aus dem Chiemgau stammt. Das Konzert beendete der Sergiuschor mit einem Gedicht, das ein Chormitglied vertont hat. Es geht darin um das unabänderliche Gesetz der Zeit, das wieder ein Jahr mit all seiner Freude und all seinem Leid beendet und einen Kreis geschlossen hat. Es endet mit der Passage: „Zur Neige geht das alte Jahr, wie alter Wein im Krug. Zur Neige geht das alte Jahr, das Frucht auf Blüte trug. [...] Zur Neige geht das alte Jahr, dem neuen trinket zu.“

[Text und Foto: Simon Stadler, Donau-Post]

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