Das Wackersdorf-Gefühl

Das Wackersdorf-Gefühl

von Gabriele Hollschwandner (Kommentare: 0) Bericht von Gerlinde Fink in der Donau Post (Ausgabe vom 26.08.2019)

Das Wackersdorf-Gefühl

Freiluftkino auf der Burg: 250 Besucher blickten in wundervoller Atmosphäre auf eine politisch sehr angespannte Zeit zurück.

Bericht von Gerlinde Fink in der Donau Post (Ausgabe vom 26.08.2019)

Brennberg. (gf) Der Kinofilm „Wackersdorf“ gibt 30 Jahre nach dem Aus für die geplante WAA, die als zentrale Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren in Deutschland gebaut werden sollte, einen Einblick in die Hintergründe der damaligen Geschehnisse.
Gut und gern 250 Besucher ließen sich auf der Burg Brennberg bei einem herrlichen Freiluftkinoabend am Freitagabend nochmals mitnehmen auf die Reise in die bewegten Achtzigerjahre in der Oberpfalz. Mit so einem Ansturm hatten die Mitglieder des Kulturausschusses der Gemeinde Brennberg gar nicht gerechnet. Doch offensichtlich lag man mit dem 2018 erschienen Film „Wackersdorf – Wehrt Euch, leistet Widerstand !“ von Regisseur Oliver Haffner und Drehbuchautor Gernot Krää voll im Trend.


Sportverein stellte Bänke zur Verfügung
250 Gäste waren zur Burgruine gekommen, teils chauffiert von einem Shuttledienst, den man kurzfristig eingerichtet hatte. Schnell wurden noch Bänke geholt, wobei sich SSV-Vorsitzender Thomas Saradeth, der auch als Gemeinderat den Kulturausschuss bei dieser Veranstaltung tatkräftig unterstützt hatte, als hilfreich erwies und hierfür die Bänke des Sportvereins zur Verfügung stellte.


Selbst dabei beim „Deutschen Woodstock“
Saradeth selbst war damals in den Achtzigerjahren auch ein regelmäßiger WAA-Widerständler gewesen und berichtete am Rande des Kinoabends von den regelmäßigen Teilnahmen der Brennberger Bürgerinitiative, damals gegründet von Dr. Eberhard Klein, an den Demonstrationen am Bauzaun. Selbstverständlich war Saradeth auch am 26. und 27. Juli 1986 beim „Deutschen Woodstock“, dem „Anti-WAAhnsinns-Festival“ in Burglengenfeld dabei. Es war das bis dahin größte Rockkonzert der deutschen Geschichte mit über 100 000 Besuchern gewesen. Die Besucher, die am Freitagabend in Scharen mit Decken gekommen waren, ließen sich schnell in den Bann des Filmes über den damaligen Schwandorfer Landrat Hans Schuierer ziehen, der auch die Hintergründe der Achtzigerjahre in der Oberpfalz zeigte. Der Film beschreibt die damalige Situation: Die Arbeitslosenzahlen stiegen und Landrat Hans Schuierer stand unter Druck, Perspektiven für die Bevölkerung zu schaffen. Da erschienen ihm die Pläne der Bayerischen Staatsregierung wie ein großes Geschenk: In der beschaulichen Gemeinde Wackersdorf sollte eine atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) gebaut werden, die wirtschaftlichen Aufschwung für die ganze Region versprach. Doch als der Freistaat ohne rechtliche Grundlage mit massiver Gewalt gegen Proteste einer Bürgerinitiative vorging, die sich für den Erhalt der Natur in ihrer Heimat einsetzte, stiegen in Schuierer Zweifel auf: Vielleicht ist die Anlage doch nicht so harmlos wie behauptet. Er begann nachzuforschen und legte sich mit der mächtigen Strauß-Regierung an.


Gerne auch „etwas Kritisches“ zeigen
Bei dem Politdrama über die Hintergründe, die zu dem legendären Protest gegen den Bau der WAA in der Oberpfalz geführt hatten, kam bei vielen Open-Air-Besuchern wieder das „Wackersdorf-Gefühl“ auf. Ein durchweg positives Fazit war am Ende des Filmes zu entnehmen: Die tolle Location schreit nahezu nach einer Wiederholung eines Open-Air-Kinos, sagten einige Besucher. Dabei dürfe gerne auch „etwas Kritisches“ gezeigt werden.

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