Das neue Bier-Gefühl

Das neue Bier-Gefühl

von (Kommentare: 0)

Wirtshausmusi beim Pflam: Kultur in Wörth meldet sich mit Spontanveranstaltung zurück.

Es war ein gemeiner Plan, den sich die Regenwolken da ausgedacht hatten. Heimtückisch schlichen sie sich an und verdunkelten den Himmel über Hofdorf. Erst ließen sie nur ein paar Tröpferl fallen, aber pünktlich um kurz vor sechs legten sie dann richtig los: Sie ließen einen veritablen Schauer auf den Pflamminger-Biergarten niedergehen, gerade mit Fleiß.

Die Gäste ließen sich allerdings nicht sonderlich beeindrucken: Sie suchten Zuflucht unter den Sonnenschirmen, bestellten sich eine Halbe Bier und eine Brotzeit, gerade mit Fleiß. Auch die Musikanten blieben entspannt, sie saßen ja eh im Trockenen unter einem Vordach – und um Punkt 18 Uhr entlockten sie ihren Instrumenten die ersten Töne.

Die dunklen Wolken hätten am Freitag wahrscheinlich gerne noch länger den Spielverderber gegeben, aber dafür fehlte ihnen die Kraft. Um kurz nach sechs stand wieder eine mustergültige Sonne über Hofdorf, die den Biergarten in ein sattes Licht tauchte und den Regen zügig verjagte. Da schmeckte die Halbe dann gleich noch mal so gut.

Die vier Musikanten erhoben sich und spielten ein Prosit der Gemütlichkeit.

Schnagl: „Das war ein Schnellschuss“

Der Auftritt im Pflamminger-Biergarten war eine Spontanaktion, „ein Schnellschuss“, so drückte es Trompeter Markus Schnagl aus. Als Anfang Juni bekannt geworden war, dass Kultur und Z’ammhock’n im Freien wieder gestattet sind, hatten Schnagl und Kultur-in-Wörth-Chefin Marion Weickl sogleich ein- und denselben Gedanken: Da müssen wir etwas machen, unbedingt ! Die kulturlose Durststrecke war ja jetzt wirklich lang genug, das letzte Konzert mit Publikum hatte es in Wörth im Herbst 2020 gegeben (damals mit Steffi Denk).

Einfach irgendwo aufspielen geht aber immer noch nicht: Es braucht Sitzplätze, Ordnung, ein Hygienekonzept. Schnagl und Weickl mussten also noch das passende Drumherum finden – und das fanden sie in Hofdorf, wo es gleich bei der Kirche einen großen und gemütlichen Biergarten gibt. Das Gasthaus Pflamminger war sofort mit im Boot, die Sache war geritzt.

Wer genau spielen würde, haben Schnagl und Weickl anfangs noch nicht gewusst. Aber irgendeine Besetzung werden wir dann schon zusammenbringen, haben sie sich gesagt. Und so ist es dann auch gekommen. Schnagl konnte binnen kürzester Zeit ein Quartett aktivieren, bestehend aus dem Wiesenter Markus Weigert (Basstrompete), dem Wörther Reinhold Koller (Akkordeon), dem Saulburger Reinhold Wolf (Tuba) und aus ihm selbst (Trompete und Flügelhorn). Ein genau geplantes und ausgefeiltes Programm gab es am Freitag nicht. „Wir spielen heute einen bunten Strauß an Melodien, relativ spontan“, verkündete Schnagl vor dem Auftritt. „Wir müssen jetzt erst mal den ganzen Staub hinausblasen, der sich in den Instrumenten gesammelt hat“, flachste er, „und dann schauen wir mal, wie sich das anhört, weil besonders viel geübt haben wir nicht.“

Es hat sich dann wirklich gut angehört, schwungvoll, locker, griabig. Die Musikanten hatten sichtlich ihren Spaß, vor allem Schnagl, der am Freitag zufällig auch noch Geburtstag hatte und ein Standerl entgegennahm.

Auch die Zuhörer kamen auf ihre Kosten. Angemeldet hatten sich für den Abend laut Weickl ungefähr 120 Besucher. Junge. Ältere. Familien. Freundesgruppen. Etwas erleben, ratschen, lachen, trinken, essen – und als i-Tüpferl Blasmusik: Diese Mischung kam an. Es gehe darum, wieder eine gewisse Normalität zu transportieren, sagten Weickl und Schnagl.

Spendengeld für Nachwuchskünstler

Der Eintritt war frei, Spenden waren erbeten. Das Spendengeld haben die Musikanten auch selbst wieder gespendet – an Kultur in Wörth. Weickl und ihr Team werden es an Nachwuchskünstler weitergeben.Hinterher zog Weickl folgendes Fazit: „Es war super. Die Leute waren, ja, einfach gelöst.“

Am Rande des Auftritts ließ Schnagl übrigens einen Satz fallen, der für den einen oder anderen interessant sein könnte. „Ich kann da nichts versprechen,“, sagte er, „aber wenn sich das etabliert, könnten wir so etwas vielleicht auch in anderen Ortsteilen machen.“

[Text und Bild: Simon Stadler, Donau-Post]

Zurück

Einen Kommentar schreiben