Aktuelle Nachrichen

Marcus Santl und Andrea Haberl - Foto Gerlinde Fink

Se­gen für Ross und Rei­ter

Bericht in der Donau Post am Mittwoch, 10.05.2017 von Gerlinde Fink

 

Brennberg. (gf)

Auch die zweite Auflage des Brennberger Georgiritts am Sonntag war ein voller Erfolg, wenngleich etwas weniger Reiter als bei der Premiere vor zwei Jahren daran teilnahmen. Über 60 Reiter samt Rössern waren zur Pferdewallfahrt zu Ehren des heiligen Georg nach Brennberg gekommen – und an Zuschauern mangelte es auch nicht.

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2017 von Gabriele Hollschwandner (Kommentare: 0)

Kultur.Landschaften

Die kulturelle Veranstaltungsreihe des Landkreises Regensburg im Jahr 2017 läuft unter dem Titel KULTUR.LANDSCHAFTEN. 


Jeder Kulturveranstalter aus dem Landkreis kann sich darin mit einem oder auch mehreren Terminen einbringen. Voraussetzung dafür ist, dass die Veranstaltungen einen wie auch immer gearteten inhaltlichen Bezug zum Thema „Natur“ und natürlich eine besondere Qualität haben müssen, d. h. potentiell von überregionalem Interesse sein sollten. 

Brennberg ist dabei:
Klassik im Himmeltal (21. Mai)
Musikalische Wanderung mit den Höllbachflöten im Himmeltal (18. Juni)

Pfatter ist dabei:
Natur-Klang der Pfatterer Chöre (15. Juli)

Wiesent ist dabei:
Musikalischer Workshop für Kinder in der Burgruine Heilsberg (10.September)

Wörth ist dabei:
Perlbachwanderung II (18. Juni)
Märchenspaziergang "Bremer Stadtmusikanten" im Paradies (Juli und August)
Literatur.Landschaften am Schindler-Stadel (02. September)
Fotoausstellung Perspektivenwechsel im Bürgersaal (Oktober/November)

2017 von Johann Festner (Kommentare: 0)

Wie 1450 die Beichte in Gmünd abgenommen wurde – und was man derweil sang

Am Freitagabend schliffen die Macher von K.i.W. der Wörther Geschichte eine neue Facette ein; Professor David Hiley übergab der Stadt eine deutsche Fassung seiner jüngsten Forschungsarbeit über eine Handschrift aus dem 13. Jahrhundert. In diesem Brevier, einer Art Gebetskalender, finden sich konkrete Hinweise darauf, welche Kirchenmusik vor über 550 Jahren in Wörth erklungen sein dürfte. Die Noten der gregorianischen Choräle hat Hiley ebenfalls entziffert und trug zusammen mit den Regensburger Altstadtsängern Auszüge vor.

So voll war es selten bei „Reden über Wörth“, einer Veranstaltungsreihe von K.i.W., bei der neue und neueste Erkenntnisse der Heimatgeschichte diskutiert werden – verhieß doch schon die Ankündigung Infotainment vom Feinsten: spannende historische Thesen und dazu noch Live-Gesang. David Hiley ist seit 2013 emeritierter Professor für mittelalterliche Musik der Universität Regensburg. Mehr als ein viertel Jahrhundert lang hatte der Engländer zuvor die teils versunkenen Musikschätze der über tausendjährigen Regensburger Tradition gehoben und so eine einmalige Expertise über sakrale Handschriften im süddeutschen Raum erworben, stellte ihn der Wörther Professor Franz Fuchs mit freundschaftlicher Wertschätzung vor.

In einer seiner jüngsten Arbeiten befasst sich Hiley mit einer alten Handschrift, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Warschauer Nationalmuseum als „Handschrift 1304“ katalogisiert ist. Das sogenannte „Brevier“ ist eine Sammlung von Gesängen, Gebeten und Lesungen die für jeden Kalendertag eine Art frommen Stundenplan, das wöchentliche „Officium“, ergeben. 290 handbeschriebene Seiten, etwas kleiner als  A4, beginnend mit Pfingsten. „Es fehlen Weihnachten bis Ostern“, berichtete Hiley. „Entweder die Seiten sind verlorengegangen, oder es war ursprünglich ein zweibändiges Werk.“

Zwei unbekannte Pfarrgesellen aus „Werd“

Die polnischen Fachleute hatten bereits aus der Machart und insbesondere aus den besonders verehrten Regionalheiligen wie St. Gallus die Vermutung abgeleitet, dass das Brevier im 13. Jahrhundert in Süddeutschland entstand und dort über Jahrhunderte in Gebrauch war – vermutlich in und um Donauwörth. Als Beleg dafür galt ihnen eine Notiz im Buchdeckel, die einer Pfarrei namens „Wert“ erwähnt, in deren Filialkirche zwei Pfarrgesellen in den Wochen vor Ostern 1450 Beichte hören. In der Nähe von Donauwörth gibt es tatsächlich eine Kirche, die Gallus geweiht ist, und die ein solches Buch quasi als Software benötigt hätte. Absolut sicher war man sich indes nicht, zumal einer der Hilfspfarrer ein Thomas Schonndorfer aus Dingolfing war und auch sonst wenig auf das Bistum Augsburg hinweist.

Hiley reiste selbst nach Warschau, fotografierte das Buch akribisch ab und kam zu einem anderen Ergebnis. Nicht im Bistum Augsburg, sondern in Regensburg sei es entstanden und benutzt worden. Im Ehrenfelser Hof in der Schwarzen-Bären-Straße von Regensburg gibt es auch eine Gallus-Kapelle. Im 13. Jahrhundert könnte dort sehr wohl ein Domherr gelebt haben, der sich für die Hauskapelle ein solches Brevier anfertigen ließ.

Die Entdeckung des „episcopus Albertus“

Den stärksten Hinweis auf die Regensburger Theorie gab indes eine weitere Notiz, die Hiley auf einer seiner Fotografien entdeckte. Zusammen mit dem Ort „Werd“ wird ein „episcopus Albert“ erwähnt, der wohl zum Fest des heiligen Dionysius dort weilte. Von seinen Historikerkollegen in Regensburg habe Hiley sich dann bestätigen lassen, dass Wörth im 15. Jahrhundert im Besitz der Regensburger Domherren war, teilweise sogar als Residenz. Den erwähnten Bischof Albert identifizierte Hiley als Albert III. von Stauffenberg, der im Jahre 1421 als Bischof von Regensburg starb.

Daraus ergibt sich für Hiley folgendes Bild: Irgendein Regensburger Domherr oder dessen Gefolge nimmt das Jahrhunderte alte Brevier mit nach Wörth. Vielleicht einmal, vielleicht öfters. Vielleicht blieb das Buch auch in Wörth, wenn auch nur zu privaten Zwecken.

Und im Frühling 1450 notierte jemand flüchtig auf dem hinteren Buchdeckel, dass von der Pfarrei Wörth aus zwei Hilfspfarrer in die damalige Expositur St. Georg in Gmünd entsandt worden sind, um den dort lebenden Gläubigen die verpflichtende Beichte vor Ostern abzunehmen: „Im Jahre 1450 war Thomas Schonndorfer aus Dingolfing Pfarrgeselle in Wörth und hat in Gmünd in der zweiten Woche vor Lätare mit seinem Partner Johannes Rietthamer aus Wörth die Beichte abgenommen.“ Als wäre das noch nicht spannend genug, ging Hiley in einen zweiten Teil seiner Ausführungen über und erklärte den Zuhörern, wie aus den hochmittelalterlichen „Neumen“ allmählich die Musiknoten wurden, wie wir sie heute kennen. Hiley stellte die Neumen als eine Art Lautmalerei dar, in der ansteigende und abfallende Striche, Punkte und Wellenlinien Tonhöhen und Längen symbolisieren. Über die lateinischen Silben notiert, entsteht so der gregorianische Choral, der gesungene Psalm.

Seit 800 Jahren wird im Bistum so gesungen

Indem er verschiedene alte Handschriften verglich, in denen stets derselbe Psalm behandelt wurde, konnte er sogar die Entwicklung von den Neumen bis hin zum heutigen Fünfliniensystem nachvollziehen. In umgekehrte Richtung gedacht sei es sogar möglich, die Melodie zu rekonstruieren, wie sie schon vor annähernd 800 Jahren im Bistum Regensburg zu hören war. Mit seinen Chorfreunden, den Regensburger Altstadtsängern, gab Hiley abschließend eine Kostprobe. Mit geschlossenen Augen ließ sich so mancher Gast von dieser Form experimenteller Archäologie hinreißen. Wären es nicht so fromme Töne gewesen, hätte man glatt eine Zugabe verlangen müssen.

[Text und Bild: Franz Nopper, Donau-Post]

2017 von Johann Festner (Kommentare: 0)

Gitarrenkonzert an Neujahr: Milorad Romic und Helmut Nieberle ergänzten sich perfekt

Ein Gitarrenstück zu komponieren, das habe viel mit Nostalgie zu tun, sagte Milorad Romic beim Neujahrskonzert am Sonntag. Seine Erinnerungen an früher, an die alte Heimat, hat der klassische Gitarrist in den Stücken „Balkan 1“ bis „Balkan 3“ verarbeitet, die er zusammen mit dem Jazzgitarristen Helmut Nieberle im Rondellzimmer zum Besten gab. „Balkan 1“ entstand vor 23 Jahren, „Balkan 3“ vor einem. „Auch an Wörth habe ich viele Erinnerungen“, scherzte Romic, „vielleicht schreibe ich mal ,Wörth 1‘, ,Wörth 2‘, ,Wörth 3‘.“

 

Der gebürtige Bosnier Romic ist im Raum Regensburg kein Unbekannter; er gab und gibt immer wieder Konzerte. Vor 23 Jahren lernte er Helmut Nieberle kennen, der zu den bedeutendsten Jazzgitarristen Bayerns zählt. Mit kurzen Pausen traten die beiden wiederholt zusammen auf, brachten eine CD heraus und spielen aktuell erneut eine ein.

Einmal wöchentlich treffen sich die beiden, wie sie am Sonntag erzählten. „Egal, ob ein Konzert ansteht oder nicht. Es geht bei diesen Treffen weniger um das mechanische Einüben und Wiederholen von Noten“, sagte Romic. „Wir experimentieren, probieren etwas Neues aus, neue Techniken.“ Stets suche man nach der richtigen Mischung und Abstimmung, ergänzte Nieberle: „Wir arrangieren uns.“

An sich, das muss man wissen, stehen klassische Gitarre und Jazzgitarre für zwei völlig verschiedene Welten. „Das sind ganz unterschiedliche Spielweisen“, so Nieberle. Doch genau diese Unterschiede reizen das Duo – Gegensätze ziehen sich schließlich an. Nieberle: „Die klassische Gitarre und die Jazzgitarre verzahnen sich auf eine Weise, die ganz einmalig ist.“ Romic sprach von einem „einzigartigen Zusammentreffen“ grundverschiedener Herangehensweisen.

Am Sonntagabend ließ sich diese „einmalige Verzahnung“ mal wieder bestaunen. Die beiden Gitarristen ergänzten sich perfekt, sie harmonierten, die Klänge verschmolzen. Dann und wann wurde improvisiert. Romic und Nieberle schafften es, mit zehn Fingern und sechs beziehungsweise sieben Saiten (Jazzgitarre), Geschichten zu erzählen, Gefühle und Stimmungen zu transportieren. Zum Beispiel bei der „Balkan“-Trilogie, komponiert im 9/8-Takt, die man vielleicht mit einem Fluss vergleichen kann: mal laut und wild und reißend, dann wieder sehr sanft und leise, fast verträumt.

Eine Stechmücke „komponierte“ mit

Auch Nieberle steuerte Eigenkompositionen bei, zum Beispiel zwei Stücke, die er vor anderthalb Jahren im Urlaub in Kroatien geschrieben hat: „Sie sind im August 2015 entstanden, und weil ein Musiker das Entstehungsdatum stets dazuschreibt, stand dann immer 0815 dahinter“, erzählte der Jazzgitarrist augenzwinkernd.

Mit 08/15-Musik haben seine Werke freilich nichts zu tun. Bei der Schaffung des Stückes „Skarpina“ ließ sich Nieberle von einem kroatischen Fischgericht inspirieren, dessen Geschmack er in Musik zu übersetzen versuchte. An einem anderen Abend beeinflusste ihn das Sirren einer Staunse, „die hat da ein bisschen mitkomponiert“. Heraus kam das Stück „Petit Moustique“, kleine Mücke. Mit akkurater Fingerfertigkeit, viel Gefühl und Harmonie ließen die beiden Gitarristen ihre Töne durch den historischen Raum wehen. Das Publikum ließ sich mit auf eine Reise nehmen und geizte nicht mit Applaus.

Neben eigenen Werken ließen die beiden Topgitarristen auch Klassiker aus mehreren Jahrhunderten und Stilrichtungen einfließen. Etwa das „Konzert D-Dur“ des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi, das vom Frühjahrsbeginn künden soll und teilweise an das Zwitschern der Vögel erinnert. Oder die „Fantasie in d-Moll“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Dieses Stück habe der Salzburger damals fürs Klavier komponiert, berichtete Romic, aber mit der Gitarre gehe es genauso.

Der „Kaiserwalzer“ darf an Neujahr nicht fehlen

Und weil das Konzert am Sonntag ein Neujahrskonzert war, bauten Romic und Nieberle überdies den „Kaiserwalzer“ ins Programm ein. Geschrieben hat jenes Stück der als „Walzerkönig“ bekannte Komponist Johann Strauss aus Wien. Beim alljährlichen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker taucht der legendäre „Kaiserwalzer“ fast immer im Programm auf, und nicht nur dort. „Als Kind hat mich mein Vater zu vielen Neujahrskonzerten mitgeschleppt“, erinnerte sich Nieberle. „Dieses eine Stück hat mir schon damals wirklich gut gefallen. Wir haben es für heute extra einstudiert.“

Auf die Beine gestellt hatte das sicher nicht alltägliche Konzert „Kultur in Wörth“. Ein Neujahrskonzert sei ja gewöhnlich eher in Metropolen üblich und weniger auf dem Land, hatte Johann Festner zu Beginn gesagt. „Daher war es schon ein kleines Risiko, so ein Konzert zu veranstalten. Aber dieses Risiko hat sich gelohnt“, meinte Festner mit Blick auf den restlos gefüllten Saal und den großen Zuspruch des Publikums. Zumal sich das Rondellzimmer als gelegentlicher Veranstaltungsort förmlich aufdränge. Romic war ebenfalls der Meinung, dass ein Neujahrskonzert „auch auf dem Land“ eine schöne Sache sei.

[Text und Bild: Simon Stadler, Donau-Post]

 

2017 von Johann Festner (Kommentare: 0)

Donau.Wald.Kultur-Programmheft 2017 erschienen

Das gemeinsame Programmheft der fünf an Donau.Wald.Kultur beteiligten Gemeinden ist erschienen und liegt in allen Orten aus.

2016 von Johann Festner (Kommentare: 0)

Bild von Gerlinde Fink

Vokalensemble „Cantico“ gastierte in Pfarrkirche

Vokalensemble „Cantico“ gastierte in Pfarrkirche

Bericht vom 07.12.2016 in der Donau Post von Gerlinde Fink:

 

Am Samstag gastierte im Rahmen des Christkindlmarktes das Vokalensemble „Cantico“ beim Adventskonzert in der Pfarrkirche in Brennberg, zu dem etwa 100 Besucher gekommen waren. Veranstalter war der Kultur- und Tourismusausschuss der Gemeinde, wobei Bürgermeisterin Irmgard Sauerer die Sängerinngen und Sänger des Vokalensembles aus Tegernheim unter der Leitung von Edeltraud Appl begrüßen konnte.

Das Vokalensemble „Cantico“ geht zurück auf einen Kinderchor, der am 20. April 1988 durch seine Leiterin Edeltraud Appl in Tegernheim gegründet wurde. 1993 kamen Männerstimmen hinzu, was dem Chor ein breitgefächertes Repertoire geistlicher und weltlicher a capella-Musik von der Renaissance bis zur Gegenwartsliteratur eröffnete. Kurze Zeit später gab man sich den Namen „Cantico“. Zunächst gestaltete man im Umfeld von Regensburg vor allem Gottesdienste und Hochzeiten, umrahmte weltliche Feste und Empfänge und gab Konzerte. Bald schon folgten Auftritte in ganz Bayern, insbesondere zahlreiche Advents-, Passions-, Marien- und geistliche Konzerte. Dabei stieß das Ensemble auf vielfach positive Resonanz.

„Wachet auf“ lautete das Motto der diesjährigen vorweihnachtlichen Feierstunde, die die Sängerinnen und Sänger in Brennberg gestalteten und das „Wachet auf“ auch gleich zu Beginn den Zuhörern entgegenschallte. Im Mittelpunkt des einstündigen Konzerts standen lateinische und deutsche Werke sowie alpenländische Adventslieder. „Cantico“ bot im ersten Programmteil adventliche Chorsätze wie das „Rorate coeli“ von Joseph G. Rheinberger oder das bekannte „O Heiland, reiß die Himmel auf“ von Johannes Brahms. Der Chor, dessen Mitglieder zwischen 22 bis 40 Jahre alt sind, beeindruckte durch seine vollendete und kristallklare Intonation, gepaart mit warmen Männerstimmen ehemaliger Regensburger Domspatzen, die sich zusammen zum ganz eigenen Sound entfalteten. Im zweiten und dritten Teil des Konzertes erklangen „Marienlieder“ wie das „Ave Maria“ von Vittoria oder „Sei uns gegrüßt von Herzensgrunde“, gefolgt von internationalen Weihnachtslieder.

Mit nachdenklichen Texten in den Pausen entstand eine besinnliche und ruhige Auszeit der sonst zumeist hektischen Adventszeit. Der langanhaltende und große Applaus belohnte die Sängerinnen und Sänger samt Leiterin für ihre Darbietung. (Foto: Gerlinde Fink)

2016 von Gabriele Hollschwandner (Kommentare: 0)

Foto: Franz Nopper

„Ich sage ja oft nichts, aber ich rede wenigstens dabei!"

Die Frau mittleren Alters im Rampenlicht ist sichtbar verwirrt. All diese neuen Wörter, die irgendwas bedeuten müssen ! Anti-Aging ! Vegan  Feng Shui ? Schlechtes Feng Shui ist jedenfalls ihre kleine Bühnenwelt. Ein chaotisches Leben aus Einkaufstaschen heraus führt die österreichische Kabarettistin aus München in ihrer Paraderolle als „Angelina Jollinger“. Unsortiert. Öffentlich. Ungeniert. Einfach drauf los plaudern.

Geschwätzigkeit ist ein veralteter Ausdruck, drum kommt er wohl im Programm nicht als solcher vor. „Wordoholik” ist die Diagnose, die sich Barbara Weinzierl selbst stellt. Einfach mal modebewusst das Herz auf der Zunge tragen. „Wir müssen reden ! Sex, Geld und Erleuchtung” heißt ihr Programm, das die K.i.W. Fans am Freitag genießen konnten.

Und die Wenzierl lässt nichts aus. Mit feinem Blick schaut sie uns allen aufs Maul, wenn wir über das reden, was uns halt beschäftigt, uns wohl auch belastet und Angst macht.

Wie wir Schlagwort um Schlagwort aus der Werbesprache übernehmen, nur um noch mitzureden, ohne wirklich mitzudenken, was es bedeutet. Facebook-Freunde. Das ganze Computerzeugs. Und der Stress. Gründe für eine Realitätsflucht gibt es genügend.

Yoga nach Hausfrauenart

Vom Veganismus ist dann der Weg kurz zum Um-die-Wette-Entspannen beim Yoga und schließlich zum Tantra-Seminar. Und wer sich da nicht findet, kann sich Lichtnahrung gönnen. Aber 990 Euro für ein Wochenend-Seminar, das ist dann doch zu viel. Eine fünf Euro billige LED-Taschenlampe aus dem Baumarkt muss es auch tun, als Snack zwischendurch – Lichtnahrung nach Hausfrauenart.

Weinzierl zeigt mit ihren Texten und Gedichten, ihren Publikumsdialogen und ihrem Impro-Theater, nach welch lächerlich verzerrten Ideen wir zu leben versuchen, ohne uns der Folgen bewusst zu sein. Persönliche Freiheit. Emanzipation! „Ich kauf mir einen SUV!”, denkt sich die selbstbewusste, junge Frau. Weil sie ihn sich aber allein nicht leisten kann, heiratet sie – und fährt dann eben mit einem SUV zum Kindergarten. „Der Traum vom freien Leben muss noch warten.”

Frauen im besten Alter

Die weitaus meisten Charaktere, die in den bunten Papiertüten auf ihren Auftritt warten, sind freilich Frauen; die sichtlich über 90-jährige Oma, die vor der Rente als Synchronsprecherin für Sexfilmchen arbeitete und ihre Eizellen als Altersvorsorge tiefkühlen ließ: „Wenn die Rente nicht mehr reicht, trage ich aus und lebe vom Kindergeld.” Oder die unwiderstehliche Mittfünfzigerin Wiebke Schmackenborn, die ja so stolz auf ihren Sohn Hans ist: „Er hat jetzt einen Bachelor!” - und dann muss sie enttäuscht feststellen, „dass das gar nichts mit Frauen zu tun hat, sondern mit Zahlen.” Grell überzeichnet und doch pointiert gelingt dieser seichte Humor ebenso, wie die jähe Zäsur – ein Witz, der einem ganz kurz das Lachen im Hals steckenbleiben lässt: „Wenn eine Frau mit Mitte 50 stirbt, sagen alle, die war ja noch so jung. Wenn sie aber mit Mitte 50 noch lebt…” Die Weinzierl, die Zeit, und wie sie verstreicht. Vom Leben enttäuscht werden und ihm entspannt den Mittelfinger zeigen – was für eine heilsame Lektion.

Der zweifellos schillerndste Charakter in Weinzierls Repertoire ist jedoch der Hubert aus Wien – ein frauenfeindlicher, rassistischer Schwadroneur, der wohl wirklich glaubt, dass er sich mit dem Unsinn, den er redet, nicht lächerlich macht.

Dem Hubert ist seine Frau abhandengekommen. „Sie ist Zigaretten holen gegangen, hat sie gesagt.” Mit zwei Koffern ist sie losgegangen „dabei sind wir ja Nichtraucher.” Und Hubert erzählt, wie seine Frau vor einiger Zeit angefangen hatte, Deutschunterricht zu geben. Für diese jungen muslimischen Männer. Und wie der Hubert dann gesagt hat, dass diese Flüchtlinge doch in einer Frau nur den Putzlumpen sehen und dass sie besser daheim geblieben wäre bei ihm, und ihm sein Essen gekocht hätte. Und wie es dann halt Krach gegeben hat. „Ich hab ja nix gegen Emanzipation, aber wenn die eigene Frau damit anfängt ?” Der Hubert kennt sich eben aus.

Und so könnte man jetzt ewig weitererzählen, über die vielen schauspielerischen und sprachlichen Miniaturen der Angelika Weinzierl. Es ist schier uferlos, wie sie lustig plappert und plappert und dabei doch immer wieder ernste, ja schmerzhaft nahegehende Themen anschneidet. Noch besser wäre es, sie beim nächsten Auftritt, egal wo, selbst zu erleben. Kleinkunst im besten Sinn ist das. Unverstellt, mit Liebe gemacht und im Werden begriffen. In knapp zwei Stunden gibt es so viel zu erleben, vom gemeinsamen „Meine-Mudder-Rap“ bis zur „Turne-in-die-Urne”-Gymnastik, dass man noch Tage später nachdenken kann, was Sie eigentlich genau gesagt hat.

[Text und Bild Franz Nopper, Donau-Post]

2016 von Johann Festner (Kommentare: 0)

Traumreiseland Island?

Es gibt in Wörth eine etablierte Vortragsreihe von Andrea Rössler, die sich mit Reisen in den Fernen Osten und nach Afrika beschäftigt.

Hinzu gekommen ist nun Christian Rauscher, dessen Reisen immer in den hohen Norden führen. Mit Island hat er begonnen. Prächtige Bilder von Geysiren, Wasserfällen und Vulkanen konnte der Zuschauer sehen, musste aber auch erfahren, dass Island mittlerweile von Touristen überrannt wird und die Umweltschäden bereits spürbar sind.

2016 von Johann Festner (Kommentare: 0)